Es gibt nur wenige Deutsch-Amerikaner, deren Namen, Leben und Wirken sowohl im deutschen Brockhaus und in Meyers Konversationslexikon als auch in der Encyclopedia Britannica und in amerikanischen Nachschlagewerken zu finden sind. Neben Carl Schurz, dem Bürgerkriegsgeneral und US-Innenminister, ist das der Berliner Franz Lieber. Aus dem früheren Turner und Freiheitskämpfer in Preußen wurde in Amerika ein renommierter Jurist, Vater des internationalen Kriegs- und Völkerrechts und Berater des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln.

Franz Lieber wurde am 18. März 1798 in Berlin als neuntes von zwölf Kindern des Eisenwarenhändlers und Wechselmaklers Friedrich Wilhelm Lieber geboren. Seine Mutter Charlotte war eine geborene Baur. Die Familie lebte in einem schmalen Haus in der Berliner Breiten Straße, nicht weit vom Königlichen Schloss entfernt. Franz, der blonde Lockenkopf, war bald zwischen Fischerkietz und Schlossplatz überall bekannt. Durch Witz und Ernsthaftigkeit, überschäumenden Feuereifer und große Gerechtigkeit zeichnete er sich schon in jungen Jahren aus. Nach Besuch der Hartungschen Privatschule und einer abgebrochenen Lehre im Botanischen Garten wechselte er auf das Gymnasium zum Grauen Kloster.
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